Definitionen & Links

AFRODEUTSCH

Eigenbezeichnung vieler Schwarzer Menschen in Deutschland. Sie entstand in Anlehnung an den Begriff „afroamerikanisch“ und verknüpft Aspekte der afrikanisch-diasporischen Herkunft und Zugehörigkeit zur deutschen Gesellschaft.


BHM

Kurz für Black History Month. Jedes Jahr, meist im Februar, wird in zahlreichen Ländern der BHM gefeiert. Er würdigt die Geschichte Schwarzer Menschen auch in Deutschland. 


EMPOWERMENT

Abgeleitet aus dem angloamerikanischen Wort „power“, was „Stärke“ oder „Macht“ bedeutet. „Empowerment“ steht im Deutschen für (Selbst-)Ermächtigung und (Selbst-)Stärkung. Mit Blick auf Rassismus beschreibt es Strategien, um angesichts von Diskriminierungserfahrungen mehr Selbstbewusstsein und Handlungsstärke zu gewinnen. Ziel ist es, die eigenen Interessen eigenmächtig, selbstverantwortlich und selbstbestimmt zu vertreten.


INTERSEKTIONALITÄT

Beschreibt die Überschneidung von verschiedenen Diskriminierungsformen im Erleben einer Person, die bspw. zeitgleich von Rassismus, Sexismus, Klassismus und Adultismus betroffen sein kann. Mehrere Erfahrungen addieren sich nicht, sondern ergeben spezifische Diskriminierungserfahrungen. Eine solche Sichtweise ermöglicht das Erfassen von Wechselwirkungen und Verschränkungen verschiedener Ungleichheits- und Unterdrückungsmechanismen und -praktiken. Dieser Ansatz findet seinen Ursprung in den Erfahrungen Schwarzer Frauen und Lesben, die sich im Feminismus westlich-weißer Mittelschichtsfrauen nicht wiederfanden.


ISD

Ursprünglich Initiative Schwarze Deutsche, heute Initiative Schwarze Menschen in Deutschland e.V. Sie ist ein gemeinnütziger, eingetragener Verein, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Interessen Schwarzer Menschen in Deutschland zu vertreten.


OTHERING

VerAnderung“ oder „FremdMachung“ (es gibt noch keine eindeutige deutsche Übersetzung). es beschreibt die betonte Unterscheidung und abwertende sowie ausgrenzende Distanzierung von „Anderen“ entlang als relevant erachteter sozialer Merkmale wie Religion, Geschlecht, Nationalität, Klasse oder Körpermerkmale, die mit sozialer Bedeutung aufgeladen werden. Dieser Mechanismus dient der Abwertung des „Fremden“, um die „Normalität“ (das Eigene) zu bestätigen.


PoC/ BIPoC

Menschen, die nicht als weiß angesehen werden, verfügen über einen gemeinsamen Erfahrungshorizont in einer Gesellschaft, in der weiß als vorherrschende Norm gilt. Anders als „coloured“ (auf Deutsch gerne mit „farbig“ übersetzt), was eine kolonialrassistische Bezeichnung für Schwarze Menschen und sogenannte „Andere“ (siehe: Othering) genutzt wurde, verstehen sich „People of Color“ in erster Linie als „people“, also „Menschen“. Der Ausdruck wird in Deutschland derzeit vorrangig im aktivistischen und akademischen Umfeld benutzt und ist in vielen englischsprachigen Ländern eine gängige Selbstbezeichnung.


POSTKOLONIALISMUS

Postkoloniale Theorien gehen davon aus, dass nach der nominellen politischen Unabhängigkeit für ehemalige Kolonien noch immer koloniale Abhängigkeiten und Ausbeutungsverhältnisse bestehen und die globalen Zusammenhänge bis hin zu zwischenmenschlichen Beziehungen auch weiterhin von (post-)kolonialen Handlungsmustern und Denkstrukturen geprägt sind. 


RACIAL PROFILING

Der Begriff beschreibt (bundes-)polizeiliche Identitätskontrollen, Verhaftungen und Durchsuchungen von Menschen aufgrund körperlicher Merkmale und der damit verbundenen Zuschreibungen (z.B. als ausländisch) ohne konkreten Verdachtsmoment.


SCHWARZ

Eine diskriminierungsfreie Selbstbezeichnung. Sie markiert bestimmte gemeinsame Erfahrungshorizonte und Lebensrealitäten in einer weiß-dominierten Gesellschaft. Im politischen Verständnis wird Schwarz groß geschrieben, um zu verdeutlichen, dass es sich um ein konstruiertes Zurordnungsmuster handelt und nicht um eine reelle „Eigenschaft“, die auf den Hautton zurückzuführen ist.


WEISS

Ist wie Schwarz ein sozial-politisch relevantes Konstrukt. Weißsein wird auch als „soziale Währung“ bezeichnet, da weißen Menschen durch die (auch unbeabsichtigte) Diskriminierung von Schwarzen und People of Color Vorteile entstehen. Im kritisch-politischen Kontext wird deshalb weiß benannt, allerdings ohne Großschreibung, da es sich im Gegensatz zu Schwarz nicht um eine erkämpfte Selbstbezeichnung handelt. Oft wird weiß auch kursiv geschrieben. 

Weiterführende Links:

Hier finden Sie eine kleine Auflistung weiterführender Links und Literatur zum Thema Black History Month, Schwarzer deutscher Geschichte und Rassismus sowie einige Definitionen wichtiger Begriffe, die dem Buch Spiegelblicke. Perspektiven Schwarzer Bewegung in Deutschland (2015) entnommen sind.

Black History Month:
Archiv Schwarzer deutscher Geschichte:
Dossier: Schwarze Community in Deutschland:
Schwarze Geschichte in Deutschland bis 1945:
Geschichte des antischwarzen Rassismus:
Schwarz und Deutsch: Zur Geschichte einer ignoranten Gegenwartsgesellschaft
Schwarze Deutsche und ihre sozialen Identitäten:
Was ist Critical Whiteness?
White Privilege: Den unsichtbaren Rucksack auspacken
(Post)kolonialismus und Globalgeschichte: Geschlecht und Sexualität
Leitfaden für einen rassismuskritischen Sprachgebrauch
Kulturmobil Marburg zum BHM:
HLTM