Elfriede Fiegert

Kinderstar und Schauspielerin
*1946, Freising

Elfie Fiegert, Kinderstar und Schauspielerin; ein sogenanntes „Besatzungskind und Brown Baby“, geboren 1946 im frisch besiegten Deutschland.

Die ersten Besatzungskinder wurden bereits Weihnachten 1945 geboren. Im Falle Fiegerts sprechen wir von der Besatzung US-amerikanischer Truppen in Westdeutschland. Gleichsam den britischen Soldaten sahen sich auch die amerikanischen GIs einer Non-Fraternisation- Policy, einem Fraternisierungsverbot mit der Gesellschaft eines Nazi-Deutschlands, das soeben den krieg verloren hatte, auseinander gesetzt. Deutschland wurde nach 1945 neben den Aliierten Großbritanniens und der USA durch Frankreich und Russland bis zur Gründung der Bundesrepublik Deutschland 1949 regiert und über die 50er hinaus von alliierten Truppen begleitet.

Amouröse Beziehungen werden hier oft als verkitschtes Scheitern des Fraternitätsverbots bzw. Gewinn einer außerordentlichen Liebe besprochen und vielfältig verfilmt. Hier werden rosige Szenen entworfen.1

Wie so viele Narrationen dieser Zeit, stützen auch diese, über Schwarze Männlichkeit, sich in hohle Polaritäten und dramatische Kontraste. Der Schwarze Soldat wird in diesem Deutschland willkürlich und opportun, das heißt auf den eigenen Vorteil bedacht, mal als charmanter Befreier, mal als animalisierte Bedrohung weißer Normgebilde in den Bereichen Familie, Sexualität, Körper und Herkunft ausgedeutet. Der Rassismus, dem Schwarze Alliierte ausgesetzt sind, ist immens. Faktisch ist diese spezifische Konstellation Alliierter in Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg für einen Teil Schwarzer Deutscher Geschichte prägend: So durchdrangen die ideologischen Kontinuitäten, also das Fortbestehen von Antisemitismus, Rassismus, weißer Vorherrschaft auch die Biographien Schwarzer, Deutscher, die zunächst in einem extremen, gewaltvollen gesellschaftlichen Klima zu verorten sind, viel mit Sorgerechtsverlusten / -entzug und Markierung als fremd und nichtzugehörig zu tun haben. Letztere ist klar als systematisch, sich ähnelnd und sich wiederholend zu benennen; während die einzelnen Leben und Familiengeschichten, Ehen und romantische Beziehungen natürlich je anders und so einmalig sind.

Widmen wir uns Elfie Fiegert: Wie Fiegert selbst recherchiert hatte, war ihre leibliche Mutter Ärztin in Freising und wanderte später in die USA aus. Elfie Fiegert wurde daraufhin in ein Kinderheim gegeben. 1948 wird sie von den zwei namensgebenden Fiegerts aus Schlesien adoptiert und wächst mit ihnen in Bayern auf. Ihr leiblicher Vater studiert und arbeitet zum Zeitpunkt des Kennenlernens der Mutter als GI in Deutschland. Ihm erging es hier wie vielen anderen: er wurde kurzfristig und überraschend abkommandiert, in diesem Fall nach Südkorea. Hier wird auch das Verhältnis zwischen Afro-Amerikaner:innen im US-amerikanischen Kriegsdienst, gar Soldatinnen der afrikanischen Diaspora in westlichen Kriegen im großen Ganzen relevant und aussagekräftig für die Dekonstruktion weißer Nationalmythen und kann über diesen Beitrag hinaus zum Beispiel unter Stichworten wie Black Soldiers, White Wars recherchiert werden.

Infolge der nationalsozialistischen Rassenideologie und über Jahrhunderte gewachsenen Anti-Schwarzen Rassismus in Europa, leiden die nicht-weißen Kinder der Besatzungszeit unter besonderem sozialem Druck, sind Anfeindungen, Bedrohungen und Ausschlüssen ausgesetzt und zunächst als Minderheit marginalisiert, das heißt ins gesellschaftliche Abseits verwiesen und in Bedürfnissen und Verteilung jeglicher Ressourcen nicht berücksichtigt. Die andere Seite dieser Medaille offenbart sich unter anderem in

  • Stereotypisierung, hier eine klischeehafte, Vereinfachung einer Person ob Kategorien wir race, class, gender
  • Fetischisierung, hier absolute Präferenz, Verehrung bis (sexualisierte) Objektifizierung einer Schwarzen Person im   Kontext kapitalistischer Verhältnisse
  • Exotisierung, also die vermeintlich faszinierte Markierung einer angenommenen Andersartigkeit, Außergewöhnlichkeit einer Schwarzen, oft, aber bei weitem nicht ausschließlich, weiblich gelesenen Person

Der Grafiker Heinz Fehling porträtierte Fliegert schließlich mit nur 5 Jahren als Gesicht einer Sinalco-Werbung. Jedoch nicht ohne dieses Porträt grundsätzlich zu verändern: blau statt braunen Augen, hellere Haut, größere Wellen in den Haaren usw. Ein neues und fiktives Erscheinungsbild auf der Sinalco-Verpackung.

1951: Fiegerts erster und erfolgreichster Film, Toxi, gibt unter der Regie von Robert A. Stemm an, den Versuch zu unternehmen, die Lebensrealität Schwarzer, deutscher Besatzungskinder darzustellen und die Vorurteile, mit denen sie konfrontiert sind. Dabei nimmt die Geschichte ihr Happy End in einem gemeinsamen Weihachten des Schwarzen Vaters und Kindes in den USA. Ein gemeinsames Weihnachten oder Zukunft in Deutschland wird hier nicht erzählt.

Der Film machte Elfie Fiegert in der westdeutschen Gesellschaft bekannt. Laut der ZEIT der 50er Jahre sei der Film „durchaus keine gründliche Abhandlung über Rassenprobleme, sondern er will ganz harmlos aufzeigen, dass alles ganz einfach ist, wenn der ‚gesunde Menschenverstand‘ und die ‚Stimme des Herzens‘ siegen. Jedenfalls kann auch dieser Film dazu beitragen, Vorurteile zu zerstreuen und Sympathien für die schuldlosen farbigen Besatzungskinder zu erwecken.“ 2

1955 spielte sie einen weiteren Protagonisten in Dunkel Stern. Fiegert spielt ein Kind, welches in der Schule rassistisch verspottet wird und in der Welt des Zirkus ankommt.

Fiegerts angestrebte Filmkarriere ist anschließend von Hindernissen und Nebenrollen in Komödien wie Zwei Bayern im Harem (1957), Our Great Aunts (1961) oder Unser Doktor ist der Beste (1969) geprägt. Um Karriere zu machen, kündigt Fiegert jedoch früh ihren Job bei einer Versicherungsgesellschaft und nimmt Unterricht in Spiel, Gesang und Tanz. Die 18- jährige Fiegert heiratet 1964 Christopher Nwako. Sie werden Eltern und wir sind weit entfernt von so etwas wir einer Selbstverständlichkeit schauspielerischer Tätigkeit Schwarzer Frauen in der deutschen Film- und Fernseher-Landschaft. Fiegert beginnt so als Sekretärin und parallel bis in die 70er hinein weiter als Schauspielerin zu arbeiten. Der gewünschte Erfolg wurde jedoch nicht erreicht: Nach der Produktion der TV-Serie Salto mortale (1971) endet ihre Schauspielkarriere.

Als sie beginnt als Reisebegleitung auf Mallorca zu arbeiten, verschwindet sie zunehmend aus der Öffentlichkeit. 1977 lässt sie sich fest auf der Insel nieder. Wo sie heute lebt, ist unbekannt.

Endnoten

  1. https://www.deutschlandfunk.de/besatzungskinder-indeutschland-nach-1945-zwischen-den.704.de.html?dram:article_id=337117
  2. DIE ZEIT, Hamburg, 14.8.1952