Angela Davis

Aktivistin, Pädagogin, Wissenschaftlerin
*26.01.1944

Von Makamto Jeannette Joëlle Ngnoubamdjum

 

Die Aktivistin, Pädagogin und Wissenschaftlerin Angela Y. Davis wurde am 26. Januar 1944 in “Dynamite Hill”, Birmingham, Alabama geboren. Das Gebiet erhielt diesen Namen, weil im Laufe der 40er Jahre viele Häuser in diesem bürgerlichen, Schwarzen Stadtviertel vom Ku-Klux-Klan1 bombardiert wurden. Als junge Heranwachsende war sie Mitglied bei den Girl Scouts of the United States of America, eine Pfadfinderinnen Vereinigung für junge Mädchen. Hier wurde auch ihr Feuer für politisches Engagement entfacht und sie nahm schon früh an Protesten gegen die sog. Rassentrennung teil. Mitglieder der Kommunistischen Partei Amerikas waren auch schon seit ihrer Kindheit Gäste ihrer Eltern. 1961 schrieb sich Davis an der Brandeis University in Waltham, Massachusetts ein. Während ihres Studiums absolvierte sie ein Auslandssemester in Frankreich und kehrte danach in die USA zurück, um ihr Studium abzuschließen. Doch noch bevor Davis ihr Studium 1965 abschloss, veranlasste sie der Tod vier Schwarzer Mädchen, die 1963 bei einem Bombenanschlag auf die Sixteenth Street Baptist Church in ihrer Heimatstadt starben, dazu der Schwarzen Bürgerrechtsbewegung beizutreten. Im Jahr 1967 trat sie dem Student Nonviolent Coordinating Committee (SNCC) und später der Black Panther Party bei. Davis setzte zudem ihre akademische Ausbildung fort, erwarb einen M.A. von der University of California San Diego und promovierte an der Humboldt-Universität Berlin. Während ihres Studiums verbrachte Sie auch zwei Jahre in Frankfurt, studierte von 1965 bis 1967 Philosophie und Soziologie und verband sich dort u.a. mit dem Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS). 1969 wurde Angela Davis von der University of California in Los Angeles (UCLA) als Assistenzprofessorin für Philosophie eingestellt, aber ihre seit 1968 bestehende Mitgliedschaft in der Communist Party USA führte zu ihrer Entlassung. In den frühen 1970er Jahren wurde sie in der Bewegung zur Verbesserung der Haftbedingungen von Insass*innen aktiv.  Diese aktivistische Arbeit bewegte sie dazu, eine Kampagne zur Freilassung der „Soledad (Prison) Brothers“ zu starten. Die Soledad Brothers waren zwei Afro-Amerikanische Gefangene und Mitglieder der Black Panther Party, George Jackson und W. L. Nolen, die in den späten 1960er Jahren verhaftet wurden. Am 7. August 1970 versuchte Jonathan Jackson, der jüngere Bruder von George Jackson, Gefangene zu befreien, die im Marin County Courthouse vor Gericht standen.  Während dieses gescheiterten Versuchs wurden Jonathan Jackson, der Richter des Superior Court sowie drei weitere Personen getötet. Obwohl Davis an dem eigentlichen Ausbruchsversuch nicht beteiligt war, wurde sie zur Verdächtigen, als die Polizei herausfand, dass die von Jackson verwendeten Waffen auf ihren Namen registriert waren.  Davis floh, um einer Verhaftung zu entgehen und wurde auf die Liste der meistgesuchten Personen des FBI gesetzt. Sie wurde einige Monate später in New York gefasst. Ihre Verhaftung führte zu weltweiten Solidaritätsbekundungen und der Entstehung der Kampagne “Free Angela Davis”2. In der gesamten DDR waren Poster, Postkarten und Buttons mit „Free Angela Davis“ zu sehen.

Während ihres prominenten Prozesses im Jahr 1972 wurde Davis in allen Anklagepunkten freigesprochen. Einige Monate nach Ihrer Freilassung reiste Davis nach Europa und besuchte mehrere kommunistisch regierte Länder, darunter auch Ost-Berlin. Durch ihre Kritik am Imperialismus der USA, war Davis dort ein gern gesehener amerikanischer Gast der SED-Funktionäre. Die aus der DDR ausgegangen Solidaritätsbekundungen trugen in jedem Fall Früchte und Davis’ Aufenthalt war von öffentlichen Reden geprägt, in denen sie sich oft an die Bevölkerung wand und Kritik am systemischen Rassismus und Imperialismus der USA äußerte.

Motiviert durch ihre Verhaftung begann sie sich für die Verbesserung von Haftbedingungen und abolitionistischen Alternativen einzusetzen. Im Widerstand gegen den „Prison-Industrial-Complex3 ist Davis zudem ein Gründungsmitglied der abolitionistischen Bewegung „Critical Resistance4. Auch in Deutschland gibt es auf Grund der fortwährenden Polizeigewalt, insbesondere gegenüber Schwarzen Menschen, immer mehr kritische Stimmen, die sich mit Alternativen des Polizierens und “abolitionistischen Alternativen“5 auseinandersetzen und öffentlich diskutieren.

Als Wissenschaftlerin hat Davis elf Bücher verfasst, darunter: “Angela Davis: An Autobiography (1974)”, “Women, Race, and Class (1983)”, “Blues Legacies and Black Feminism (1999): Gertrude „Ma“ Rainey, Bessie Smith, and Billie Holiday (1999)”. Im Jahr 2013 kehrte Angela Davis nach Deutschland zurück um im Rahmen einer Gastprofessur mehrere öffentliche Vorträge und Diskussionen sowie ein Blockseminar an der Goethe Universität Frankfurt zu halten. Das Cornelia Goethe Centrum für Frauenstudien und die Erforschung der Geschlechterverhältnisse hatte zu Beginn des Wintersemesters 2013/2014 die Angela Davis-Gastprofessur für internationale Gender und Diversity Studies eingerichtet.

“Revolution is a serious thing, the most serious thing about a revolutionary’s life. When one commits oneself to the struggle it must be for a lifetime.”

– Angela Y. Davis

  1. Der Ku-Klux-Klan ist die älteste terroristische Organisation der USA, die seit 1865 unter der Schwarzen Bevölkerung durch unzählige Bluttaten, Lynchmorde und Attentate Furcht und Schrecken verbreiteten. Der Ku-Klux-Klan ist bis heute noch aktiv.
  2. Die SED organisierte für die von 1970 bis 1972 in Kalifornien inhaftierte Afroamerikanerin eine gewaltige Solidaritätskampagne, an der weder Schulkind, Kollektivarbeiter*in noch Rentner*in vorbeikam.  Über eine Million Briefe und Postkarten mit Solidaritätsbekundungen und Worten der Unterstützung erreichten Angela Davis.
  3. Begriff, der die überschneidenden Interessen von Regierung und Industrie beschreibt die Überwachung, Polizeiarbeit und Inhaftierung als Lösungen für wirtschaftliche, soziale und politische Probleme nutzt und insbesondere Schwarze, Native und People of Color in den USA trifft. Dies beinhaltet die Schaffung von Bildern in den Massenmedien, die Stereotypen von Schwarzen Menschen, Menschen of Color, armen Menschen, queeren Menschen, migrantischen Menschen und anderen unterdrückten Gemeinschaften als kriminell, straffällig oder abweichend am Leben erhalten.
  4. Critical Resistance (CR) ist eine nationale Organisation, die eine Bewegung zur Abschaffung des Prison-Industry-Complex (PIC) aufbaut. http://criticalresistance.org/
  5. https://www.cgc.uni-frankfurt.de/180636/cornelia-goethe-colloquium-intersektionale-kritik-der-polizei-racial-profiling-und-abolitionistische-alternativen-mit-vanessa-e-thompson-am-09-12-2020/